In fast zweijähriger Arbeit ist das 76 m² große Chorbogengemälde „Jüngstes Gericht“ von Jacob Carl Stauder (1697-1756) aus dem Jahr 1722 von den braun vergilbten Überzügen und Retuschen früherer Restaurierungen befreit worden.
Erstmals nach Jahrhunderten sind die Originalfarben des barocken Gemäldes wieder in ihrer ursprünglichen Leuchtkraft erkennbar. Die bisher im „Dunkeln“ verborgene künstlerisch eindrucksvolle Handschrift des damals erst 28-jährigen Künstlers zeigt eine erstaunliche Tiefe, Kraft und Reife. Dies ist umso erstaunlicher, da es keine Hinweise auf Übertragungsraster oder genaue Vorzeichnungen gab. Wahrscheinlich skizzierte Stauder auf einer von ihm auf den vorhandenen Untergrund aufgebrachten graublauen Öl-Kasein-Grundierung frei mit Holzkohle und führte dann die eigentliche Malerei in Öl in al secco-Technik aus.
Die monumentale Darstellung des „Jüngsten Gerichts“ zählt zu den eindrucksvollsten Bildwerken jener Zeit im Bodenseeraum.
Nach der Freilegung des Gemäldes von Schmutz, Überzügen und späteren Ergänzungen offenbarten zahlreiche hell aufblitzende Farbverluste die Fragilität der Originalmalschicht von Stauder. Mit einer auf die Fehlstellen aufgebrachten Grauretusche im Farbton von Stauders eigener Grundierung wurde die Malschicht wieder geschlossen und das Erscheinungsbild beruhigt. Bewusst wurde auf eine farbige Übermalung und somit auf spekulative Rekonstruktionen verzichtet. Dies zeugt von einem respektvollen Umgang mit dem Original.
Der Blick des Betrachters bleibt nicht nur am leuchtenden Blau des Gewandes der Maria mit ihrem lieblichen, aber ausdrucksstarken Gesicht haften, er schweift mit gewecktem Interesse zu Christus, Johannes dem Täufer, den zwölf Aposteln, einer Schar von Engeln, Posaunen, Richtschwert und weiteren bewegten Bildszenen.
Im Mittelpunkt steht Christus als Weltenrichter. Er ist bei Stauder aber kein strenger Richter, sondern ein König der Liebe. Sein Blick sucht den Menschen- und findet ihn nicht schuldig, sondern geliebt. So macht das Bild keine Angst, sondern gibt Hoffnung.
(Text: Beate Maier unter Nutzung von Passagen aus dem Flyer zur Einweihung, Text Kirchengemeinde Überlingen)
Gesamtbaukosten ca. 920.000,00 Euro finanziert durch:
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